21:21 – Fritzlar holt gegen Netphen Sieben-Tore-Rückstand auf

Fritzlar. In der 3. Liga West muss sich der SV Germania Fritzlar gegen Aufsteiger Netphen mit einem 21:21 (5:12) zufrieden geben und feiert das Remis doch wie einen Sieg.

In der Schlussphase nicht mehr zu bremsen: Xenia Ahrend (l.) , die hier Marit Vonnahme stehen lässt. © Pressebilder Hahn

Als Lazar Constantin Cojocar vier Minuten vor Schluss eine Auszeit nahm, ähnelte das durchaus dem Griff nach dem Strohhalm. Die letzte Chance per gezielter Anweisungen die zweite Saisonniederlage des SV Germania Fritzlar doch noch abzuwehren. Seine Mannschaft, respektive Xenia Ahrend und Esther Meyfarth mit jeweils zwei (angesagten) Treffern in der Schlussphase, nutzte sie. Machte aus einem 17:20 gegen den TVE Netphen noch ein 21:21, wobei Lena Gürbig dem Krimi die dramaturgische Krone aufsetze: Sie hielt zwei Sekunden vor Schluss einen Siebenmeter von Elena Lucy Seiffarth und damit für den heimischen Handball-Drittligisten zumindest einen Punkt fest. „Ich hatte die Ecke im Gefühl und hab‘ mich voll da rein geworfen“, beschrieb die SVG-Torfrau ihre grandiose Parade.

Die befreienden Jubel auslöste. Auf der Tribüne und auf dem Feld. Womit klar war, dass das Remis gegen den Aufsteiger als (gefühlter) Punktgewinn verbucht wurde. Auch vom SVG-Coach: „Wir hätten uns über eine Niederlage nicht beschweren können.“

Meyfarth und Ahrend stark

Angesichts eines Sieben-Tore-Rückstandes zur Pause verständlich. Der wiederum auf das Konto einer völlig missratenen ersten Hälfte ging, als sich die Domstädter nie auf die 3:2:1-Deckung des Gegners einzustellen wussten. „Es fehlte alles, Bewegung, Dynamik, Übersicht“, kritisierte Trainer Cojocar seine Offensivabteilung, der in den ersten 30 Minuten gerade mal fünf Treffer gelangen. Der keineswegs übermächtige Gast spielte sich dagegen nach dem 4:4 (16.) in einen Rausch (in der quirligen Deckung) und blieb trotzdem cool (im Angriff). Allen voran Franziska Haupt, die in der Schlussphase der ersten Halbzeit im Rückraum des Neulings explodierte.

Da war guter Rat teuer. „Lucky“ Cojocar hatte ihn, denn nachdem Wechsel setzte seine Mannschaft endlich das vorgegebene Konzept gegen die offensive Abwehr des Gegners um. Per Einläufer und über außen, wobei sich Lena Dietrich auszeichnen konnte. Mit mehr Kreuzbewegungen im Rückraum, so dass endlich die Wurfkraft von Melina Horn zum Tragen kam. Und über den Kreis, wo sich Xenia Ahrend einige Male sehenswert durchsetzen konnte. Trotzdem. Netphen wankte, aber fiel, schien dem zunehmenden Druck der Domstädterinen stand halten zu können. Bis deren Trainer zur grünen Karte griff.

SVG: Maier (12 Paraden, 18 Gegentore), Gürbig (ab 47., 4/3), Dietrich 5, Holeczy, Bittdorf, Huck 2, Ahrend 4, Punkschuh 1, Horn 3, Meyfarth 3, Duknauskaite, Dreier 1, Kiwa 2, Krüger.

Netphen: Groos (9/15), Schweisfurth (ab 48., 2/6), Fiterer, H. Kania 2, Immel 2, Roddey, Ronge, Roeben 2, Seiffarth, C. Kania 2, Haupt 7, Sturm 1, Groos 3, Vonnahme 2.

SR: Beyer/Jacob. Zuschauer: 300. Zeitstrafen: 6:4-Minuten. Siebenmeter: 2/0:2/0.

HNA Online /// Ralf Ohm /// Foto: Hahn