Fritzlar kündigt Solingen nach 20:20 im Spitzenspiel harten Zweikampf um den Titel an

Fritzlar – Der Enttäuschung der Fritzlarer Handballerinnen über den verpassten Sieg im Spitzenspiel der 3. Handball-Liga West wich sehr bald einer Kampfansage an Tabellenführer Solingen-Gräfrath.

Spiele werden im Angriff und Meisterschaften in der Abwehr gewonnen. Eine alte Handballweisheit, die überdauert hat. Und an die sich immer noch viele Trainer halten. Nur was tun, wenn in einem einzigen Spiel möglicherweise die Meisterschaft entschieden wird? Die Antwort des SV Germania Fritzlar: Die Defensive nochmals verstärken.

Kaum zu überwinden: SVG-Torhüterin Vanessa Maier, die hier gegen die Solingerin Mandy Reinarz pariert. Fritzlars Esther Meyfarth (r.) kann nicht mehr eingreifen. © Pressebilder Hahn

Genau so bändigte der heimische Handball-Drittligist im Gipfeltreffen die beste Offensive der Liga. Doch das „Werk“ der Cojocar-Schützlinge blieb unvollendet. Denn mit dem für die Gäste glücklichen 20:20 (13:10)-Remis verteidigte der HSV Solingen-Gräfrath die Tabellenführung. „Ein enorm wichtiger Punkt“, wusste HSV-Trainerin Kerstin Reckentäler, „denn dadurch haben wir es nun selbst in der Hand, auch am Ende ganz oben zu sein.“

Allerdings werden sie auf dem angestrebten Weg in die Relegation zur 2. Liga (gegen den Meister der 3. Liga Nord) den Atem des Verfolgers spüren. „Wir sind dran“, sagt SVG-Torfrau Maier, „und wollen Solingen weiter unter Druck setzen.“ Der überragende Rückhalt der Domstädterinnen, an dem die hochgelobte und prominente Rückraumreihe um Tor-Torjägerin Vanessa Brandt sowie den Zweitliga erfahrenen Mandy Reinarz und Sandra Münch phasenweise verzweifelten.

Vanessa Maier brannte, von Anfang an, auch um die Einschätzung von Oldenburgs Trainer Andreas Lampe zu widerlegen, der in einem HNA-Teamvergleich das Solinger Duo Jackstadt/Vernay in höchsten Tönen als bestes der Liga gelobt hatte. Sowohl die ehemalige Deutsche Meisterin der A-Jugend wie auch die australische Nationalspielerin standen dann aber im Schatten der 25-Jährigen.

Auch weil sie sich voll und ganz auf ihre Vorderleute verlassen konnte. Die verdichteten die Mitte und lagen mit dieser taktischen Marschroute ihres Trainers „Lucky“ Cojocar goldrichtig. Weil die rechte Angriffsseite der Gäste diesmal deutlich abfiel. Und weil Torjägerin Vanessa Brandt bei ihren Sprungwürfen immer wieder ins Zentrum zog. Dabei allerdings in Vanessa Maier oder im Fritzlarer Mittelblock ihren Meister fand.

Das machte Sinn und mit zunehmendem Spielverlauf sogar Spaß. Der überragenden SVG-Defensive auf dem Feld und den Zuschauern auf der gut gefüllten Tribüne. Denn die bejubelten die Tore ihrer Mannschaft genauso wie gelungene Abwehraktionen. Und hatten diese mit aufmunternden Beifall nach dem Schlusspfiff ganz schnell aus der Lethargie des verpassten Sieges geholt.

Motivationshilfe für den Titelkampf

Als Motivationshilfe für den Aufstiegskampf dürfte auch die Ankündigung von Steffen Schmude dienen, die Lizenz für die 2. Liga zu beantragen. „Wir werden‘s versuchen“, erklärte der Teammanager. Und hofft nach den beiden kommenden „Schlüsselspielen“ in Oyten und gegen Dortmund „klarer zu sehen“.

Kann gut sein, dass ihm das Team genau diesen Wunsch nicht erfüllt. Dass nämlich der Zweikampf an der Spitze ähnlich dem Gipfeltreffen spannend, ja dramatisch bis zum Schluss bleibt.

HNA Online /// Ralf Ohm /// Foto: Hahn