Fritzlars Handballerin Anna Holeczy hat genug von Verletzungen

Fritzlar. Im Hinspiel war sie ein wesentlicher Faktor. Ein Grund, warum der SV Germania Fritzlar in der 3. Handball-Liga West beim TSV Bonn gewann.

Sechs Tore gelangen Anna Holeczy bei sechs Würfen. Das Rückspiel am Sonntag (17 Uhr) wird die 22-Jährige verpassen. Weil sie verletzt ist. Mal wieder.

Wieder am Ball: Fritzlars Anna Holeczy steigt im Januar voll ins Training ein. © Pressebilder Hahn

Seit zweieinhalb Jahren spielt die Linksaußen für Fritzlar. Ist als Schiedsrichterin und Nachwuchstrainerin aktiv. Allerdings war sie fast so häufig bei Ärzten und Physiotherapeuten wie beim Training.

Im August 2016 ging die Leidenszeit mit einem Kreuzbandriss nebst Meniskusschaden und Oberschenkelbruch los. Über ein Jahr dauerte es, ehe Holly nach zwei Operationen wieder Vertrauen in ihren Körper hatte. Nur wenige Wochen konnten sich die Germania und der neue Trainer Lucky Cojocar an der Flügelflitzerin erfreuen. Der nächste Rückschlag folgte im April 2018. Ein Bänderriss im linken Fuß – und eine weitere Runde war gelaufen.

Mittelhandbruch locker aufgenommen

Also, auf ein Neues in dieser Saison. Für vier Spiele. In der Partie bei Bayer Leverkusen bekam sie einen Schlag, biss sich trotz Schmerzen durch und warf sogar noch ein Tor. Am nächsten Tag war ihre linke Hand blitzeblau. Mittelhandbruch. Routiniert nahm die gebürtige Hannoveranerin die nächste OP auf. „Hey Lucky, alles gut. Habe jetzt eine Platte mit sieben Schrauben drin“, schrieb sie ihrem Trainer per WhatsApp. Was Lehrer Cojocar prompt seinen Schülern erzählte. Verbunden mit der Anmerkung, wie kämpferisch man sein Schicksal meistern kann. Der A-Lizenz-Inhaber baut auf Linksaußen voll auf sein Duo mit Lena Dietrich und der Pechmarie mit der Nummer vier: „Holly ist giftig in der Abwehr und eine unserer schnellsten Spielerinnen. Noch dazu bestens ausgebildet.“

Dabei kam Holeczy in ihrer Heimatstadt Münchehagen westlich des Steinhuder Meeres als Siebenjährige eher zufällig zum Handball. „Nachmittags hatte niemand Zeit, mit mir zu spielen. Also bin ich mit einer Freundin ins Training“, sagt die Auszubildende, die im Frühjahr ihren Abschluss als Schreinerin anpeilt. Zunächst begann sie auf der Mitte, ehe sie in der Landesauswahl zur Außen umfunktioniert wurde.

Training bei Meister Thüringer HC

Sogar von der Sportstiftung des Landkreises Nienburg/Weser bekam die Familie Unterstützung. Und Anna Holeczy den Mut, erstklassig zu reifen. 2011 wechselte sie aufs Internat nach Erfurt und spielte für den Thüringer HC. Als 15-Jährige gab sie ihr Debüt in der 3. Liga und trainierte jeden Freitag unter Coach Herbert Müller mit der Meister-Mannschaft. Gemeinsam mit der heutigen deutschen Nummer eins Dinah Eckerle, Nadja Mansson, Shenia Minevskaja, Kerstin Wohlbold und Marieke Blase (jetzt HSG Bad Wildungen). Das war der Lohn für Holeczys Geduld, weil sie auch beim THC ein Dreivierteljahr wegen einer Entzündung am Bizeps ausfiel.

Statt (zu) früh im Damenbereich zu bleiben, nahm die Rechtshänderin noch ein Jahr in der A-Jugend-Bundesliga mit. 2013/14 war das im Trikot des Buxtehuder SV. An ihrer Seite: Emily Bölk, das Jahrhunderttalent, das sich bei der jüngsten EM zu Deutschlands Stammkräften aufgeschwungen hat. „Emily war damals schon sehr groß und musste nur hochsteigen, um für uns zu treffen“, sagt Holly.

Jetzt reicht’s ihr mit Verletzungen. Der Blick geht Richtung Trainingsauftakt Anfang Januar in der Domstadt. Mit Ehrgeiz, den gesunden Konkurrenzkampf mit Lena Dietrich aufzunehmen und dafür zu kämpfen, mit Fritzlar auch mal in der 2. Liga zu spielen.

HNA Online /// Sebastian Schmidt /// Foto: Hahn